07.05.2020

Die Angst in den Zeiten der Pandemie

Mein Rotes-Sofa Gespräch am 2. Mai 2020

Zu meinem monatlichen Rotes-Sofa-Gespräch im Mai hatte ich Prof. Dr. Ralf T. Vogel als Gesprächsgast eingeladen. Aufgrund der Corona-Krise fand die Diskussionsrunde nicht wie üblich in meinem Ingolstädter Wahlkreisbüro statt, sondern in einer Video-Konferenz.

In seinem Eingangsreferat stellte der Psychologe und Psychotherapeut Ralf Vogel Forschungserkenntnisse und Erfahrungen zum Thema "Die Angst in den Zeiten der Pandemie" vor. Zunächst schilderte er, wie sich Gefühle der Unsicherheit und Angst in Deutschland seit dem Bekanntwerden der hochansteckenden Viruserkrankung in China entwickelt hätten. Nachdem die Infektionszahlen in Deutschland angestiegen waren und die Bilder aus Italien große Teile der Bevölkerung hierzulande alarmierten, hätten viele Menschen Sicherheit in einer Orientierung an Bindungsfiguren (Merkel, Söder) gesucht. Bei der Verhängung der Maßnahmen kritisierte Vogel, dass die Parlamente zu wenig beteiligt wurden und demokratische Rechte teilweise auf der Strecke geblieben sind. 

Der Psychologe erklärte, dass die politischen Entscheidungen sich zu stark auf die Naturwissenschaft (Virologie, Epidemiologie) gestützt hätten und Erkenntnisse der Sozial-, Geistes- und Psychologie-Wissenschaft in den Hintergrund geschoben worden wären.

Der Psychologe informierte weiter in seinem Vortrag über unterschiedliche individuelle und kollektive Erscheinungsformen der Angst, die die Menschen umtreiben: die Angst vor Erkrankung und Tod, vor Isolierung und Einsamkeit, die Angst um die Existenz und die Zukunft. Und er zeigte auf, mit welchen Abwehr- und Bewältigungsmechanismen sie darauf antworten. Manche Menschen reagierten emotional und sind verunsichert, andere kognitiv  mit Vernunft, oder motorisch durch Flucht und wieder andere sogar physiologisch mit Erkrankungen. Manche Politiker und auch Medien durch die Art ihrer Berichterstattung würden die Ängste vor der Pandemie eher verstärken, ja sogar bewusst schüren, kritisierte er, als Strategien zu entwickeln, dass die Bevölkerung sachlich und verantwortungsvoll mit den Gefahren des Virus umgeht.

Ich freute mich über die anschließende, angeregte Diskussion, in der es auch darum ging, dass die Politik den Menschen Perspektiven aus der Krise eröffnen müsse und dass es nach der Pandemie Verbesserungen, unter anderem in der Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik, geben müsse.