08.09.2020 / Pressemitteilung

Bundesregierung muss sich von Nookes Wasserstoffträumen in der Demokratischen Republik Kongo distanzieren

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, plant eine Gruppe deutscher Unternehmen (Siemens, Deutsche Bank, Voith Hydro, Andritz etc.) das umstrittene Wasserkraftprojekt INGA3 zu verwirklichen, um damit Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Im August reiste dazu auch eine Wirtschaftdelegation in die Demokratische Republik Kongo, die Unterstützung von der deutschen Botschaft erhielt. Günter Nooke, der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, sieht sich selbst als Vater des Gedankens und ist wichtiger Strippenzieher zwischen Politik und Wirtschaft. Ich sehe dies sehr kritisch, wie ich folgender Pressemitteilung darlege:

Der schon realisierte Staudamm INGA1, der ebenso wie INGA2 weit unter seinen Kapazitäten Strom produziert

 

Die Initiative des Afrikabeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke, und einiger deutscher Unternehmen, mit einem neuen Megastaudamm in der Demokratischen Republik Kongo Wasserstoff für den deutschen Markt zu produzieren, ist aus mehreren Gründen gefährlich. Sie zeugt von einem höchst fragwürdigen Amtsverständnis von Herrn Nooke, der sein Amt nutzt, um persönliche Steckenpferde und die Interessen befreundeter Unternehmer zu verfolgen. Sie wirft ein schlechtes Licht auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), welches diese Pläne über die deutsche Botschaft im Kongo unterstützt.  Dabei degradiert sich das BMZ zur Außenhandelskammer der deutschen Wirtschaft, die jegliche entwicklungspolitische Ambition fallen lässt.

Aus entwicklungspolitischer Perspektive sind Nookes Wasserstoffträume in der Demokratischen Republik Kongo katastrophal. Nooke will am Kongofluss ein neues Megastaudammprojekt bauen, das das Ökosystem und den Lebensraum der lokalen Bevölkerung massiv verändern und verschlechtern wird. Der so produzierte Strom soll jedoch nicht dem Land, das unter massiver Energiearmut leidet, zugutekommen. Vielmehr soll die Energie in Form von Wasserstoff nach Deutschland exportiert werden, der Kongo geht weitgehend leer aus. Das ist grüner Kolonialismus.

Das BMZ muss sich entscheiden: will sie die wirtschaftliche Entwicklung der afrikanischen Volkswirtschaften unterstützen, oder will sie die eigene Entwicklung weiterhin auf dem Rücken dieser Volkswirtschaften vorantreiben. Nookes Wasserstoffprojekt in der Demokratischen Republik Kongo steht für die zweite Richtung. Damit könnte das Projekt auch zum Reputationsschaden für die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung werden. Denn eine Wasserstoffstrategie, die auf die fragwürdige Ausbeutung von Energiequellen im Globalen Süden setzt, droht das Schicksal des sogenannten Biodiesels – sie wird an Legitimität verlieren.