21.10.2020

Busse müssen endlich Vorfahrt haben!

Bericht zur Veranstaltung „Mehr ÖPNV statt Stau! Mit dem 365€-Ticket für alle bald zu jeder Zeit durch Regensburg?“

Mehr ÖPNV statt Stau! Mit dem 365€-Ticket für alle bald zu jeder Zeit durch Regensburg?

 „Mehr ÖPNV statt Stau! Mit dem 365 € - Ticket bald zu jeder Zeit durch ganz Regensburg?“ war das Motto meiner wegen den gestiegen Infektionszahlen kurzfristig ins Internet verlegten Veranstaltung am Dienstagabend.

Diesem Thema stellten sich die Referentinnen und Referenten Irmgard Freihoffer, Stadträtin der LINKEN für Regensburg, Wolfgang Bogie, Vorsitzender des ökologischen Verkehrsclub VCD in Regensburg, und Titus Schüller, Stadtrat der LINKEN in Nürnberg, weiterer Stellvertretender Bezirkstagspräsident für Mittelfranken und Initiator des Bürgerbegehrens für ein 365 € - Ticket in Nürnberg.

Ich führte zu Beginn der Veranstaltung aus, dass man in Regensburg einen wachsenden Verkehr mit mehr Staus beobachten könne und in Zeiten wo man Klimawandel und Flächenfraß endlich mehr bekämpfen will, kann der Bau immer neuer Straßen nicht die Lösung sein. Stattdessen braucht es für Schreiber einen Ausbau und eine stärkere Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Radverkehrs. Und an die anwesenden Referent*innen gerichtet fragte ich: „Wie schaffen wir das?“

Irmgard Freihoffer lieferte eingangs zur Verkehrssituation in der Stadt die notwendigen Fakten: „Wir haben 80.000 Einpendelnde, 20.000 Auspendelnde und 40.000 Menschen die innerhalb von Regensburg pendeln. Zwei Drittel davon nutzen das Auto. Wir haben also allein 55.000 Autos, die allein deshalb früh und abends unterwegs sind, um die Menschen zur Arbeit und wieder nach Hause zu bringen. Von 2013 bis 2019 ist Regensburg um 14.000 Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen. Die Stadt hat mit der Einrichtung von Express- und Nachtbuslinien versucht, den ÖPNV auszubauen, allerdings war dies nicht genug. Das lässt sich schon daran erkennen, dass im gleichen Zeitraum 22.000 Autos hinzugekommen sind.“ Nach Ansicht von Freihoffer tut die Stadt zu wenig, um den ÖPNV attraktiver zu machen.

Wolfgang Bogie stimmte dem zu: „Nach dem aktuellen Modal Split ist die Nutzung des ÖPNV in Regensburg von 1999 bis 2018 von 16 auf 11 Prozent zurückgegangen. Positiv stimmt mich aber, dass die Menschen nicht zwangsläufig auf das Auto umgestiegen sind, sondern viele sich für das Fahrrad entschieden haben. Hier ist die Nutzung von 13 auf 24 Prozent angestiegen. Dieser Anstieg und auch der erfolgreiche Radentscheid unterstreichen wie wichtig es ist, auch die Radwege weiter auszubauen. Vor allem für Menschen aus dem Umland ist das Auto für viele aber noch die bequemere Wahl. Auch hier gibt es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten beim ÖPNV, mehr Takte und auch mehr Busse am Abend.“ Eine wichtige Verbesserung ist für Bogie aber der von der Stadt beschlossene Bau einer Stadtbahn.

Titus Schüller stellte den Anwesenden das für Nürnberg beschlossene Sozialticket und ebenfalls beschlossene 365 € - Ticket vor: „Der Einführung der Tickets für Nürnberg und Fürth ab 2021 beziehungsweise 2023 ging ein jahrelanger Kampf eines breiten Bündnisses von Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Kirchen voraus, der durch viele Privatpersonen unterstützt wurde. So konnten 22.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zur Einführung der Tickets gesammelt werden, die im April 2020 an die Stadt übergeben wurden. Auf Grund der breiten Zustimmung in der Bevölkerung verzichtete die Stadtspitze dann auf den eigentlich folgenden Volksentscheid, sondern traf sich mit dem Bündnis und verhandelte über deren Forderungen. Schlussendlich beschloss man die Einführung des Sozialtickets für monatlich 15 Euro ab 2021 für alle Menschen, die Unterstützungsleistungen beziehen und die Einführung eines Tickets für 365 € ohne Ausschlusszeiten ab 2023, dass für Nürnberg, Fürth und Stein gelten wird.“

Freihoffer und Bogie fanden die Tickets auch für Regensburg bedenkenswert, da sie eine deutliche Erweiterung des aktuell geltenden 365 €- beziehungsweise Sozialticket wären. Freihoffer plädierte dafür, dass diese dann auch für den gesamten RVV gelten müssten und nicht nur für bestimmte Zonen. „Zur Finanzierung könnte die kostenlose Parkzeit in den Parkhäusern wieder abgeschafft und die Preise für Parktickets erhöht werden“, so Freihoffer. Beide Referent*innen waren sich einig, dass man darüber hinaus auch den Autoverkehr in der Stadt zurückdrängen müsse, da die Belastung von Straßen und Umwelt an vielen Stellen einfach zu hoch sei und nicht nur die Autofahrer*innen, sondern auch die Busse im Stau stehen. Hier bedarf es an ganz vielen Stellen mehr Vorrang für den ÖPNV.

Bogie bemängelte auch die Zentralisierung des Busverkehrs mit dem Knotenpunkt am Hauptbahnhof: „Wir brauchen stattdessen mehr Ringverbindungen.“ Aus dem Publikum wurde auch eine höhere Taktdichte für die Busse in der Stadt und für die Bahnverbindungen ins Umland gefordert. Diese müssen auch ausgebaut werden, da die Bahn auf weiteren Strecken einfach schneller ist als der Bus, der dann als Zubringer zum Bahnhof fungieren müsse.

Zum Abschluss erklärten sich alle Referentinnen und Referenten solidarisch mit den streikenden Busfahrerinnen und Busfahrern, die für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung kämpfen. Schüller meinte dazu: „Wenn wir den ÖPNV ausbauen wollen, brauchen wir auch bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, denn es ist jetzt schon schwer, genügend Menschen für diesen Beruf zu finden.“