11.11.2020 / Artikel

Online-Diskussion: Industrie 4.0 - Wie sichern wir die Arbeitsplätze?

Online-Diskussion: Industrie 4.0 - Wie sichern wir die Arbeitsplätze?

Wie lassen sich in Zeiten von Industrie 4.0, Digitalisierung, Klimawandel und Corona die Arbeitsplätze vieler Beschäftigten, vor allem in der Autoindustrie, sichern? Dieser Frage stellten sich bei meiner Online-Diskussion am gestrigen Abend die Referentin und Referenten Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN. im Bundestag, Rico Irmischer, Geschäftsführer der IG Metall Regensburg und Herbert Bruecklmeier, Betriebsratsvorsitzender von Continental Regensburg.

Zu Beginn erläuterte ich kurz, dass die Unternehmen und damit auch die Beschäftigten vor enormen Umwälzungen stehen oder schon mittendrin sind. Produktionsprozesse, Produkte, Dienstleistungen und mit ihnen die Arbeit und Arbeitsplätze in vielen Branchen verändern sich in großem Maßstab. Das ist zum Beispiel bei Continental zu sehen, die viele Tausend Beschäftigte entlassen wollen.

Rico Irmischer, der für die IG Metall Regensburg für Continental zuständig ist, stellte die aktuelle Situation beim Unternehmen dar. Er glaubt, dass das Unternehmen die Transformation nicht entschlossen genug angepackt hat und deshalb stehen nun 13.000 Beschäftigte in Deutschland vor dem Aus. Die Automobilbranche ist besonders stark von Umbrüchen betroffen, weil außer der Automatisierung und Digitalisierung auch noch die Dekarbonisierung - also weg vom Verbrenner - dazu kommt.

Bosch und ZF haben schon gezeigt, dass es auch in dieser Zeit möglich ist, Beschäftigung zu sichern und dazu muss auch Continental bereit sein. Der Konzern muss auch stärker in die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren und diese nicht nur vorrangig für den Arbeitsmarkt qualifizieren, sondern auch für das Unternehmen selbst. IG Metall, Betriebsrat und die Belegschaft wollen weiter Druck für den Erhalt der Arbeitsplätze machen.

Bruecklmeier pflichtete Irmischer bei und schilderte, dass es schon letztes Jahr Diskussionen über Entlassungen bei Continental gegeben hat. Als Betriebsrat haben sie Gespräche angeboten, die aber abgeblockt wurden. Von den jetzt angekündigten Entlassungsplänen erfuhr der Betriebsrat erst aus der Zeitung und auf Druck der IG Metall und dem Betriebsrat vier Wochen vor der Aufsichtsratssitzung im Wirtschaftsausschuss.

Zusammen mit der IG Metall sind sie dann sofort aktiv geworden und haben viele Aktionen wie einen Autokorso, eine Menschenkette um den Standort in Regensburg und eine Grablichter-Aktion gemacht, begleitet von Pressearbeit und Gesprächen mit der Politik. Im Zuge dessen hatten sie auch mich und unsere stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Gute Arbeit, Susanne Ferschl, in Berlin besucht.

Ferschl erläutert dann auch gleich, dass es für die Konzerne hier auch mehr Vorgaben von der Politik braucht. DIE LINKE setzt sich für ein langfristiges Gesamtkonzept ein, mit klaren Angaben wie die Verkehrswende gestaltet werden soll und welche Änderungen sich daraus auch für die Unternehmen ergeben. Sie plädierte dafür, dass öffentliche Investitionen und Subventionen immer an Bedingungen gekoppelt sein müssen, zum Beispiel an Arbeitsplatzgarantien, bzw. zum Wohle der Beschäftigten oder von Umwelt und Klima.

Ganz wichtig ist für Ferschl auch mehr Mitbestimmung von Betriebsrät*innen und Beschäftigten in den Unternehmen, besonders auch bei wirtschaftlichen Entscheidungen um zum Beispiel Entlassungen, die Verlagerung von Unternehmen in andere Länder und Lohndumping zu verhindern.

Dafür gab es Zustimmung, sowohl von Irmischer und Bruecklmeier und mir, als auch aus dem Publikum. Alle Beteiligten plädierten deshalb auch in ihren Schlussstatements dafür weiterhin die Zusammenarbeit zwischen Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik zu vertiefen um gemeinsam durch die Krise zu kommen und um mehr Mitbestimmung in den Unternehmen zu erreichen.