17.01.2021 / Artikel

In Gedenken an Patrice Emery Lumumba, erster Premierminister des unabhängigen Kongo, der vor 60 Jahren ermordet wurde.

Eva-Maria Schreiber, MdB, Herr Poll, Kunstgalerie (die das Denkmal für Lumumba zusammen mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung & der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft (DAfriG) aufgestellt hat), der kongolesische Botschafter Tshoha Letamba & Lizzy Quart, DAfriG.

Es ist selten, dass afrikanische Freiheitskämpfer in Europa mit einer Statue geehrt werden. Besonders dann nicht, wenn sie die europäische Kolonialpolitik offen kritisierten. 1885, hier in Berlin, entstand der kongolesische Staat in seinen heutigen Grenzen. Dazu sagte Lumumba: „Wir haben erlebt, wie unser Land im Namen von angeblich rechtmäßigen Gesetzen aufgeteilt wurde, die tatsächlich nur besagen, dass das Recht mit dem Stärkeren ist.“

Patrice Emery Lumumba war die Stimme des kongolesischen Unabhängigkeitskampfes und ein scharfer Kritiker der kolonialen Unterdrückung Afrikas. Nach der Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 wurde er der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DR Kongo.

Auf dem Festakt zur Unabhängigkeit betonte er: „Wir werden die Massaker nicht vergessen, in denen so viele umgekommen sind, und ebenso wenig die Zellen, in die jene geworfen wurden, die sich einem Regime der Unterdrückung und Ausbeutung nicht unterwerfen wollten.“

Heute vor 60 Jahren wurde er ermordet, weil er für die Emanzipation der Völker, für soziale Freiheit und das Existenzrecht eines jeden Menschen eintrat und für das Recht eines jeden Volkes, frei und in Würde in der Gemeinschaft der unabhängigen Staaten zu leben und die legitimen Rechte und Freiheiten zu genießen, die jedem Menschen in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft zustehen.

Sein soziales Programm war jedoch unvereinbar mit den Interessen der Industrieländer, die auf billige Ressourcen angewiesen waren und sind. Denn der Kongo ist reich. Viel zu reich an Bodenschätzen, an Gold, Kupfer, Coltan, Mangan, Blei und Zink, um als ehemalige Kolonialmacht zu erlauben, sie zu seinem Wohlergehen einzusetzen, wie das Lumumba vorschwebte.

Mit dem Mord an Lumumba begrub man die Ansprüche auf Freiheit, völlige Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Wohlergehen für die Menschen in Afrika. Der Neokolonialismus bekam freie Hand. Und das gilt bis heute. Lumumbas Ideen haben deshalb nichts an Aktualität verloren.

In Zentralafrika erleben wir eine Krise, die sich besonders auf rohstoffreiche Gebiete in der Demokratischen Republik Kongo konzentriert. Und insgesamt ist Afrika nach wie vor im Fokus der internationalen Politik, gerade auch im Streben um wirtschaftliche Vorteile und den Zugriff auf Ressourcen.

Deshalb ist der Rückgriff auf Lumumba und seine Vorstellungen von einem freien und unabhängigen Afrika immer noch so wichtig wie damals, vielleicht sogar noch wichtiger und dringender. Denn Lumumba gilt bis heute als eine der herausragenden Persönlichkeiten im Hinblick auf die Erringung nationaler Selbstständigkeit und sozialen Fortschritts in Afrika. Hier möchte ich zum Schluss Sartre zitieren, der in „La Pensée politique de Patrice Lumumba“ sagte:

„Seit Lumumba tot ist, hört er auf, eine Person zu sein. Er wird zu ganz Afrika.“