24.03.2021 / Plenarrede

Grundbildung vor Weiterbildung!

Eva-Maria Schreiber, DIE LINKE: Grundbildung vor Weiterbildung!

Eva-Maria Schreiber (DIE LINKE):

Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Bildung ist ein Menschenrecht und hat einen enorm hohen Stellenwert für die persönliche Entfaltung jedes Menschen; das ist weltweit so. Genau das konnte ich in Äthiopien, Marokko und Mauretanien erleben. Dort besuchte ich von der Bundesrepublik unterstützte Berufsbildungszentren und sah, mit welcher Begeisterung die jungen Menschen ihren Beruf erlernten. Jedoch: Obwohl „Dual“ draufsteht, ist kein „Dual“ drin; denn die komplette Ausbildung findet in diesen Zentren statt. Schule und Betrieb wie bei uns zu kombinieren, funktioniert dort nicht.

Duale Ausbildung als deutscher Exportschlager ist kein praktikables Angebot. Man stelle lieber erst nach erfolgter Ausbildung ein, dann aber mit Kusshand, sagte uns ein Fabrikbesitzer in Marokko. Darauf sollten wir hören, das Konzept überdenken und es an die Gegebenheiten und Bedürfnisse der jeweiligen Partnerländer anpassen.

Aber wie ist denn die Lage in vielen Ländern? Viele junge Menschen können nicht ausreichend lesen und schreiben. In den ärmsten Ländern sollte deshalb der Fokus nicht vor allem auf weiterführenden Bildungsangeboten liegen, solange die Grundbildung nicht für alle gesichert ist.

(Beifall bei der LINKEN)

Das Ziel muss Chancengerechtigkeit für alle sein und nicht vor allem Berufsausbildung für einige wenige.

(Beifall bei der LINKEN)

Eine ausreichende Grundbildung wirkt der Armut entgegen. Ein zusätzliches Schuljahr erhöht laut Education for All Global Monitoring Report der UNESCO das persönliche Einkommen um etwa 10 Prozent, bei Mädchen sogar um 20 Prozent. Dennoch werden mehr Entwicklungsgelder in die Berufsbildung und die höhere Bildung investiert. Das zementiert Ungleichheit, und das lehnen wir ab.

(Beifall bei der LINKEN)

Um dem Prinzip, niemanden zurückzulassen, gerecht zu werden, wäre eine Unterstützung der Globalen Bildungspartnerschaft von mindestens 120 Millionen Euro pro Jahr angemessen. Deutschlands Beitrag hat sich zwar in den letzten Jahren von 9 auf 50 Millionen pro Jahr stark gesteigert. Aber mal zum Vergleich: Ein einziges Kampfflugzeug des Typs Tornado kostet 98 Millionen Euro. Wie vielen Kindern mehr könnte man mit dem Geld Grundbildung ermöglichen!

(Beifall bei der LINKEN)

Die Bildungskrise weltweit muss endlich ein Ende finden. Bildungsungleichheiten, die in der Coronapandemie noch verstärkt werden, durch deutsche Entwicklungspolitik weiter zu verschärfen, lehnen wir entschieden ab.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)

Ein Mindestmaß an Bildung ist die Grundvoraussetzung, um an der Gesellschaft teilhaben und ein Leben in Würde führen zu können.

Danke schön.

(Beifall bei der LINKEN)