17.01.2018 / Mündliche Frage

Migrationsberatungszentrum in Casablanca ohne Beratung

"Wie erklärt die Bundesregierung, dass entgegen ihrer Darstellung in
Casablanca im September 2017 ein Migrationsberatungszentrum eröffnet zu
haben, laut Artikel der TAZ (10.01.18 "Tausend und keine Beratung") vor Ort
kein funktionierendes Büro existiert und die lokale Arbeitsagentur von einem
"Projekt, das hoffentlich im Mai/Juni 2018 starten kann" spricht, und soll der
Fokus der Beratungen zukünftig darauf liegen, über legale
Migrationsberatungsmöglichkeiten nach Deutschland aufzuklären -wie es die
Zuständigen vor Ort betonen -oder darauf, die Rückkehr nach Marokko zu
erleichtern -wie es Entwicklungsminister Müller im Deutschland öffentlich
erklärt hat (u.a. http://www.tagesschau.de/inland/mueller-afrika-eu-101 .html)?

 

Antwort der Bundesregierung:

1. Das Zentrum ist operativ: Die "taz" stellt den Programmfortschritt in Marokko einseitig negativ dar. An dem geschilderten "leeren Schreibtisch" arbeitet ein von der GIZ bezahlter
Berater (in Vollzeit). Dieser hat im September 2017 seine Arbeit aufgenommen. Teil seiner Aufgaben ist es, sieben weitere regionale Zentren in Marokko aufzubauen. Auch wurden mit ihm interne Schulungen durchgeführt. Daher war er am Tag des taz-Besuches nicht anwesend. Das wurde der taz-Reporterin auch mitgeteilt. Ein weiterer Berater hat am 02.01.2018 seinen Dienst aufgenommen. Die aktuelle "Startphase" wird von den marokkanischen Behörden noch nicht aktiv beworben. Sie möchte erst weitere Mitarbeiter der marokkanischen Arbeitsagentur ausbilden, ehe sie das Zentrum nach außen bewirbt. Dies ist der Grund, warum die marokkanischen Vertreter die aktuelle Startphase des Projektes als "Einführung des Projekts" bezeichnen.
2. Das Zentrum berät unterschiedliche Zielgruppen: Das Migrationsberatungszentrum in Marokko berät -wie auch alle anderen Migrationsberatungszentren -drei Zielgruppen:
(1)
Rückkehrer aus Deutschland zu ihren Reintegrationschancen in Marokko.
(2)
Potentielle Ausreisende über legale Migrationswege nach Deutschland sowie zu den Gefahren illegaler Migration.
(3)
Marokkaner über Perspektiven vor Ort mit Hilfe deutscher
Entwicklungszusammenarbeit. Dies ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck des umfassenden Beratungsangebots zu Rückkehr, Reintegration und Bleibeperspektiven vor Ort.