13.07.2021 / Artikel

Forderung nach Hochschulsozialpakt damit Studieren nicht zum Luxus wird!

Mitschnitt der Online-Veranstaltung: Über ein Jahr Studieren unter Corona – wie geht es weiter?

Bericht von der Online-Veranstaltung: Über ein Jahr Studieren unter Corona – wie geht es weiter?

Über ein Jahr müssen auch Studierende nun schon unter Pandemiebedingungen lernen. Wie Studentinnen und Studenten damit zurechtkommen und wie sich der Hochschulbetrieb dadurch verändert hat? Diese Fragen diskutierten am gestrigen Abend Nicole Gohlke, hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Mac vom Bundesvorstand des Studierendenverbandes DIE LINKE.SDS und Quirin Quansah, Student und Mitglied der GEW Hochschulgruppe, in einer Online-Veranstaltung der Bundestagsabgeordneten der LINKEN für Regensburg, Eva-Maria Schreiber.

Quirin Quansah beschrieb die chaotische Zeit an der Uni in Regensburg und an anderen Hochschulen zu Beginn der Pandemie. Es war zunächst unklar, ob das Sommersemester überhaupt starten konnte. Als es dann doch begann, wurde versucht möglichst schnell alles auf online umzustellen. Aus Sicht von Quansah war dies eine Mammutaufgabe für die Beschäftigten der Hochschulen und die Studierenden. Es gab zu vielerorts zu wenig Geräte für die Lehrenden und viel zu wenige Leihgeräte für die Studierenden, um beim Online-Unterricht dabei sein zu können. Gleichzeitig wurde aber weder das Lernpensum noch die Prüfungen reduziert. Quansah hätte sich auch mehr Kommunikation von den Uni-Leitungen an die Studierenden gewünscht, damit diese sich besser im Online-Studium zurechtfinden.

Mac ergänzte, dass für die Studierenden nicht nur die Umstellung auf den Online-Unterricht ein großes Problem war, sondern dass parallel auch viele Nebenjobs wegfielen, zum Beispiel in der Gastro-Branche und im Kulturbetrieb. Die Überbrückungshilfe von maximal 500 Euro war für ihn völlig unzureichend, als dass sie die weggebrochene Beschäftigung ersetzen könnte. Gleichzeitig fehlte mit der Verlagerung der Lehre ins Netz für ihn auch die Uni als sozialer und politischer Raum, um sich mit anderen Studierenden austauschen zu können.

Nicole Gohlke war erstaunt und erschrocken darüber, wie wenig Ministerin Karliczek und das Bundesministerin für Bildung und Forschung zur Hilfe für die Studierenden, Beschäftigten und Hochschulen unternahm. Trotz großen Drucks der Studierenden, der Verbände, der GEW, der Studentenwerke, der LINKEN im Bundestag und sogar der Rektor:innenkonferenz gab es keine ausreichenden Hilfen für die drei Millionen Studierenden. Das Ministerium ignorierte aus Sicht von Gohlke die Existenzsorgen hunderttausender junger Menschen, denn 68 Prozent der Studierenden würden statistisch nebenbei arbeiten und das vielfach in Branchen, die ebenfalls von Corona betroffen waren. Nur elf Prozent der Studierenden können dagegen BAföG beziehen, dass aber nach dem Studium auch wieder zurückgezahlt werden muss. Durch Corona hat sich für Gohlke die soziale Auslese an den Hochschulen weiter verschärft. Dieser Trend muss so schnell wie möglich umgekehrt werden.

Laut Gohlke fordert DIE LINKE deshalb einen Hoschulsozialpakt mit einem höheren BAföG, dass auch die tatsächlichen Lebenshaltungskosten deckt, dass von mehr Studierenden in Anspruch genommen werden kann und nicht zurückgezahlt werden muss, für mehr Wohnheimplätze und Beratungsmöglichkeiten und für bessere Arbeitsbedingungen und entfristeten Verträgen für die Beschäftigten, um auch den Mittelbau wieder attraktiv zu machen. Die Hochschulen dürfen auch nicht länger auf Marktwirtschaftlichkeit getrimmt werden und nur noch wenige Leuchttürme gefördert werden. Die Hochschulen brauchen in der Breite eine ausreichende Finanzierung um ihre gesamtgesellschaftliche Aufgabe als Bildungs- und Forschungsstätte erfüllen zu können.

Mac und Quansah stimmten Gohlke zu und forderten auch mehr Mitbestimmung für die Studierenden. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist diese in Bayern faktisch nicht vorhanden. Beide freuen sich auf die baldige Rückkehr zum Präsenzstudium, legen aber großen Wert darauf, dass es auch möglich sein muss, alle Vorgaben einzuhalten. Gerade die Abstände, die Größe der Räume und die Lüftung sowie der bauliche Zustand der Gebäude an sich sind große Probleme an vielen Hochschulen. Viele neue Studierende kennen bisher nur das Onlinestudium und brauchen bei der Umstellung eine gute Betreuung. Diese wurde in der anschließenden Diskussion auch aus dem Publikum gefordert.