06.06.2018 / Kleine Anfrage

Sexualisierte Gewalt in der Entwicklungszusammenarbeit

Die vorliegende Antwort auf Nachfragen zur Situation in den eigenen Organisationen, die im Auftrag der Bundesregierung Auslandseinsätze absolvieren zeigt jedoch, dass sie hier lieber nicht so genau hinschaut: Trotz absolut dürftiger Datenlage und teilweise völlig veralteter Standards und Mechanismen sieht die Bundesregierung bei den staatlichen Akteuren wie GIZ, KfW, Bundeswehr u.a. keinerlei Handlungsbedarf – obwohl die vorgelegten Zahlen offensichtlich die Realität nicht angemessen wiederspiegeln.

So erfasst die GIZ seit 2012 zwar systematisch Hinweise zu jedweder Form sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, zum Aufklärung und zum Schutz der einheimischen Bevölkerung erstellt sie jedoch noch nicht einmal Informationsmaterial in der jeweiligen Landessprache. Die vorgelegten Zahlen betreffen nur interne Vorfälle. Die GIZ behauptet schlicht, sexualisierte Gewalt durch das eigene Personal gegenüber den Menschen in den Einsatzländern komme nie vor. Die aktuelle Debatte hat aber gerade erst gezeigt: Wer keine Zahlen dazu vorlegen kann, muss dringend seine Meldesysteme und Sensibilität mit dem Thema überprüfen. Keine Zahlen heißt eben nicht, dass es sexualisierte Gewalt in diesem Kontext nicht vorkommt, sondern dass sie nur nicht sichtbar wird.

Fragwürdig werden die Antworten wenn es um die Bundeswehr geht: In den letzten acht Jahren soll es nur fünf Fälle sexualisierter Gewalt gekommen sein – bei einer Personalstärke von rund 180 000. Diese Zahlen müssen genauer untersucht werden. Auch die Bundeswehr hat bis heute offensichtlich  nicht einmal ein eigenes System zum Umgang und der Erfassung sexualisierter Übergriffe, wenn sie vom eigenen Personal ausgehen und Menschen aus der einheimischen Bevölkerung die Opfer sind.

 

 

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