03.07.2018 / Schriftliche Frage

Dem südafrikanischen Beispiel folgen und Zugang zu Tuberkulose-Medikament allen Betroffenen ermöglichen

„Was unternimmt die Bundesregierung, um für Tuberkulose-Patientinnen weltweit Zugang zu effektiven TB-Diagnostika und -Medikamenten sicher­zustellen und damit die Behandlungszahlen mit Bedaquilin dem Bedarf an­zupassen, und wie wird sich die Bundesregierung beim UN High-Level Mee­ting zu TB und darüber hinaus im Sinne des sog. De-Linkage-Konzepts für die Forschung und Entwicklung neuer und verbesserter Therapien gegen resistente Tuberkulose einsetzen, die insbesondere für Menschen in infrastrukturschwachen Regionen geeignet und weltweit zu bezahlbaren Preisen zugänglich sind?"

Antwort der Bundesregierung:

Essentiell für eine erfolgreiche Behandlung resistenter Keime ist eine gute Diagnostik. Sollen Antibiotika wie Bedaquilin sachgerecht eingesetzt wer­den, ist insbesondere abzuklären, um welchen Erreger es sich handelt. Un­zureichende bzw. nicht vorhandene Laborkapazitäten zur spezifischen Di­agnostik der Medikamentenresistenz sind jedoch die größte Engstelle bei der Ausweitung von Programmen zur Eindämmung multiresistenter und extensiv resistenter Tuberkulose. Daher unterstützt die Bundesregierung zum Beispiel den Aufbau von nationalen Referenzlaboren in Kasachstan, Us­bekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Pakistan in Zusammenarbeit mit deutschen Referenzlaboren („Twinning-Arrangements"). Dies sind Länder, die eine hohe Rate an resistenten TB-Formen aufweisen.

Außerdem werden im Kontext regionaler Vorhaben der Pandemieprävention in der Ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAC) sowie der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) zusätzliche Laborkapazitäten geschaffen, die mittels moderner Diagnostik eine schnelle Diagnose und Einleitung von Kontrollmaßnahmen ermöglichen. Das in einer weiteren Phase des EAC-Vorhabens geplante supranationale Referenzlabor soll die externe Qualitätskontrolle übernehmen und der Überwachung anti­mikrobieller Resistenzen (AMR) dienen.

Seit 2016 unterstützt das BMZ auch über die Initiative „Klinikpartnerschaf­ten - Partner stärken Gesundheit" die TB-Eindämmung in derzeit acht Part­nerländern in Osteuropa und Sub-Sahara Afrika.

Multilateral unterstützt die Bundesregierung neben der WHO und anderen UN-Organisationen den Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tu­berkulose und Malaria (GFATM). Deutschland ist der viert größte staatliche Geber des GFATM und hat für den Zeitraum von 2002 bis 2018 mehr als 2,5 Mrd. Euro eingezahlt. Für den aktuellen Finanzierungszeitraum (2017 bis 2019) stellt Deutschland 810 Mio. Euro bereit. Über regelmäßig stattfin­dende Verwaltungsratssitzungen, gestaltet die Bundesregierung die Arbeit des GFATM mit.

Nahezu 80 Prozent der externen Gelder zur Bekämpfung von Tuberkulose werden über den GFATM bereitgestellt. Von 2002 bis 2016 stellte der GFATM mehr als 100 Ländern über 5,8 Mrd. US-Dollar für die TB-Bekämp­fung zur Verfügung. Über sogenannte katalytische Investitionen stellt der GFATM Mittel für Gesundheitssystemstärkung bereit und unterstützt u.a. die Verbesserung der Diagnostik multiresistenter TB (MDR-TB). Als Teil dieser Mittel wurden 12 Ländern, in denen 55 Prozent aller nicht diagnosti­zierten Fälle von TB oder MDR aufgetreten sind, zusätzliche 100 Mio. Euro (115 Mio. US-Dollar) zur Verfügung gestellt.

Seit 2018 unterstützt der GFATM Länder dabei, die neuen Medikamente Be-daquilin und Delamid für die Behandlung von MDR-TB einzuführen. Diese Medikamente haben weniger-Nebenwirkungen und kürzere Behandlungs­zeiten. Unter anderem durch Umwidmung laufender Programme konnte der GFATM seine Investitionen in Programme, die MDR-TB bekämpfen, in den letzten sechs Jahren mehr als verdreifachen. Die Anzahl der Menschen mit MDR-TB, die behandelt werden konnten, stieg von 7.600 (2005) auf 373.000 (2016) - ein 50-facher Anstieg.

Durch die Unterstützung des GFATM wurden alleine im Jahr 2016 17,4 Mio. Menschen auf TB getestet und behandelt. Zwischen 2000 und 2015 wurden auf Grund der Unterstützung des GFATM weltweit 49 Mio. TB-Todesfälle vermieden, davon 10 Mio. Todesfälle unter Menschen mit HIV.

Es ist grundsätzlich erforderlich, das Thema Zugang zu Arzneimitteln in sei­ner gesamten Komplexität zu erfassen und Barrieren zum Zugang zu bezahl­baren Arzneimitteln auf breiter Ebene zu überwinden. Dabei ist „De-Linkage" ein Ansatz, aber es spielen zum Beispiel auch Aspekte wie „Open Access" oder Regulierung bei der Zulassung eine Rolle. Um Bezahlbarkeit, Verfügbarkeit und Qualität von Arzneimitteln zu gewährleisten und zu­gleich Schwellen- und Entwicklungsländern die nötigen Spielräume und In­strumente zur Sicherstellung der öffentlichen Gesundheitsfürsorge zu ge­ben, müssen eine Vielzahl von Maßnahmen zusammenwirken und bedarfs­gerechte Lösungen gefunden werden. So wird beispielsweise bei allen För­dermaßnahmen des BMBF gefordert, dass die erzielten veröffentlichten Forschungsergebnisse offen und zugänglich sind („Open Access"). Das BMBF unterstützt zudem die Förderung von Produktentwicklungspartnerschaften für die Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika und Medikamen­ten für vernachlässigte, armutsassoziierte Erkrankungen, bei denen der As­pekt des Zugangs von Anfang an berücksichtigt wird. So wird seit 2016 die Produktentwicklungspartnerschaft „TB Alliance" mit 10 Mio. Euro für fünf Jahre vom BMBF gefördert. Ziel der Förderung ist es u. a., neue TB-Wirk­stoffe und verbesserte TB-Therapiepläne zu entwickeln. Die TB Alliance hat sich mit dem „AAA-Mandat" („Adoption, Availability, Affordability") darauf verpflichtet, die Ansätze zu erschwinglichen Preisen verfügbar zu machen.

Deutschland beteiligt sich auch mit 10 Mio. Euro am Global Health Invest­ment Fund (GHIF), der die Entwicklung und Markteinführung von neuen Me­dikamenten, Impfstoffen und Diagnostika mit Fokus auf Mutter-Kind-Ge­sundheit fördert. Hierüber wird u. a. die Entwicklung von Impfstoffen gegen TB für Erwachsene und Kinder gefördert. Die Zulassungen werden ab 2020 erwartet. In sogenannten Global Access Agreements müssen die geförderten Unternehmen sich verpflichten, dass ihre Produkte für die betroffenen Be­völkerungsgruppen in den Entwicklungsländern zugänglich sind.

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