Zuhören statt Reden schwingen

Seit dem 24. September 2017 bin ich Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Dies kam für mich doch sehr überraschend, dank eines außergewöhnlich und erfreulich guten Wahlergebnisses für die Linke in Bayern. Und plötzlich hieß es für mich einen Teil meines Lebensmittelpunktes von der Bayrischen in die Bundeshauptstadt zu verlegen. Und damit viele neue spannende Tätigkeiten und Aufgabenfelder kennenzulernen.

Etwas überspitzt gesagt verbinden viele Menschen mit Politiker/innen, dass sie auf großen Bühnen im Rampenlicht stehen während sie Reden über die Probleme der Welt schwingen. Das ist natürlich nicht bei allen so und schon gar nicht mein Ansatz. Als Ethnologin habe ich gelernt, dass es darauf ankommt den Menschen zuzuhören. Wenn man die Situation und Problemlage von Menschen erkennen will, ist es wichtig ihre Geschichten zu verstehen und ihre Perspektiven schätzen zu lernen. Nur so lassen sich tragfähige Lösungen erarbeiten. In diesem Sinne versuche ich mein Mandat mit mindestens zwei offenen Ohren auszuüben.

Zu meinem Hintergrund:

Ich bin 1958 in Köln geboren und habe vier erwachsene Kinder. 1990 bin ich nach München gezogen, wo ich derzeit lebe. Ich habe eine Ausbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin. Zudem habe ich Ethnologie, Interkulturelle Kommunikation und Religionswissenschaften studiert.

Was treibt mich politisch an?

Mich empört die rasant zunehmende soziale Ungerechtigkeit in Deutschland. In diesem „ach so reichen Land“ ist es bittere Realität, dass Menschen Mülleimer auf der Suche nach Pfandflaschen durchsuchen oder bei Tafeln für Nahrungsmittel Schlange stehen müssen. Trotz geringer Arbeitslosigkeit wächst in Deutschland die Armut. Kein Wunder angesichts der Ausbreitung von Niedriglöhnen, prekären Jobs und Arbeitslosenhilfe auf Elends-Niveau. Ich finde es inakzeptabel, dass Menschen von ihrem Lohn, oder ihrer hart erarbeiteten Rente nicht ansatzweise Leben können – gerade in meiner Heimat München und Umland ist dies ein riesiges Problem!

Und das gilt auch auf globaler Ebene: Weltweit besitzen acht Männer so viel Vermögen wie die Hälfte der Menschheit. Während transnationale Konzerne – darunter auch viele Deutsche - riesige Gewinne einheimsen, leiden Umwelt und Menschen im Globalen Süden darunter. Beispielsweise schuften in vielen Minen weltweit Menschen unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen für die Rohstoffe der Technologie „Made in Germany“. Politisch werden die Interessen dieser großen Konzerne durch immer mehr Freihandelsabkommen – oder besser gesagt Investorenschutzabkommen weiter gestärkt. Auch deshalb habe ich mich im Bündnis „Stopp TTIP/ CETA München“ engagiert.

Diese ungerechten Verhältnisse fallen jedoch nicht vom Himmel. Ausbeutung, Hunger und Armut sind menschengemachte Phänomene. Der profitorientierte Kapitalismus, in dem wir leben, produziert genau diese unhaltbaren Zustände. Das bedeutet jedoch, dass diese auch veränderbar sind.

Und dafür kämpfe ich: Für eine Umverteilung von unten nach oben; für eine gerechte Welt, in der alle gut und in Frieden leben können; Für Menschenrechte statt Profite.

Was mache ich in der Linkspartei?

Wir brauchen keine kleinen Korrekturen sondern einen wirklichen politischen Richtungswechsel und den Mut zu sozialer Veränderung in diesem Land. Deshalb bin ich seit 2010 Mitglied der Linken.

Seit 2011 bin ich Sprecherin der LAG Christ*innen, seit 2014 Kreissprecherin in München und seit 2016 Mitglied des Landesvorstands der LINKEN Bayern.

Wir sind die Partei, die sich als einzige der im Bundestag vertretenen nicht mit der neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung abfindet.

Und wir sind die Partei des Friedens, die konsequent Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnt. Wenn ich mit dem Zug von München nach Hause gefahren bin konnte ich früher die gefertigten Panzer der Firma Krauss Maffei zählen, die zum Export bereit standen. Wer weiß wie viele Menschen dadurch gestorben sind. Laut Terre des Hommes stirbt alle 14 Minuten ein Mensch durch eine deutsche Waffe. Für mich ist klar: Mit Krieg, Waffen und der Androhung militärischer Gewalt lässt sich niemals Frieden schaffen.

Wofür stehe ich im Bundestag?

Für meine Fraktion sitze ich im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie stellvertretend im Gesundheitsausschuss. Außerdem wurde ich zur Sprecherin für Welternährungspolitik gewählt.

Ich versuche durch die Einladung von Gästen aus dem Globalen Süden, Reisen, einer engen Kooperation mit Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen meinen Horizont zu erweitern und diese Perspektive in die Parlamentsarbeit einzubringen. Denn es ist immer besser mit den Menschen als über die Menschen zu sprechen.

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